01.06.2008

Die Frage nach der MACHT



Liebe sagt: Ich bin alles.
Weisheit sagt: Ich bin nichts.
Zwischen diesen beiden fließt mein Leben.
Nisargadatta Maharaj



Die Frage nach der MACHT ist eine wichtige Frage. Worte, die mitklingen:
machtvoll, Ohnmacht, Allmacht (Omnipotenz), POTENZ, Potenzial/Potential, potenzieren, Dominanz, Herrschaft. Macht macht. Macher haben die Macht zu machen. Die Macht der Liebe.

Lass uns bei der "Machtfrage" "bei Null" anfangen, dem NICHTS. Und schon haben wir die Antwort! Das einzig Allmächtige ist das NICHTS, weil es das einzig ALLES ist und das EINZIG Allmächtige.

Das war jetzt eine Antwort in Lichtgeschwindigkeit. Noch einmal in der Verlangsamung:

All-mächtig kann nur das sein, was ALLES ist. Ein TEIL kann NIE allmächtig sein. Es kann sich gebärden wie allmächtig. Aber dann ist es krank. Krebs gebärdet sich wie allmächtig, ordnet sich nicht unter, sondern wuchert ungeordnet. Es hat sich aus der Ordnung des Ganzen (scheinbar) ausgegliedert.

Nur das NICHTS ist ALLES. Das klingt wirklich EXTREM paradox - und ist es auch. Es ist das "Ur-Paradox": die Leere (NICHTS) ist die Fülle (ALLES).
NICHTS und ALLES sind keine Pole, keine Dualität, sondern EINS. Dies zu "verstehen" ist ABSOLUT wichtig.

"Es" ist DAS UNDEFINIERBARE. Definitionen begrenzen. Das EINE, das ALLES, das NICHTS ist unbeschreiblich unbegrenzt.
Alle Aussagen "darüber" können nur "Hilfsformulierungen" sein (JEDES Wort wäre in Anführungszeichen zu setzen): Das ABOLUT POSITIVE erklärt sich ABSOLUT NEGATIV (auch ein Paradox): Es ist NICHT dual. Es ist NICHT kausal. Es ist NICHT räumlich. Es ist NICHT zeitlich. Es ist NICHT manifest. Es ist NICHT Gott. Es ist NICHT Liebe. Es ist NICHT Bewusstheit. Es IST nicht einmal (im existenziellen Sinne). Es ist "DA" und auch nicht. Es ist das ABSOLUTE NICHTS. Die ALLMACHT, ALLES zu erschaffen. Nichts kann aus dem NICHT n-i-c-h-t erschaffen werden. (Populäre Formulierung: "Alles ist möglich" - egofreier Zusatz: aus dem NICHTS.)

Nennen wir dieses Unschreibbares (EINSALLESNICHTS) hilfsweise "das Nonduale". Es ist "VOR" der Schöpfung (Es ist das Erschaffene, aber weder der Schöpfer noch die Schöpfung). Es ist DIESSEITS von ALLEM, weil es das "Jenseits" nicht gibt: Es ist allgegenwärtig (z.B. in jedem Quantenfeld). Es gibt nichts "jenseits" des NICHTS. Es gibt nichts "jenseits" von ALLEM. Es gibt nichts "jenseits" des EINEN. Im ABSOLUTEN gibt es KEIN JENSEITS.

Nach der Verlangsamung also noch einmal:
Das einzig ALLMÄCHTIGE ist das NICHTS, weil es das einzig ALLES ist und das EINZIG Allmächtige.

Das ist jetzt wirklich SEHR abgehoben. Abgehobener geht es gar nicht. Wozu diese Gedankenakrobatik? Im nächsten Schritt wird es ABSOLUT spannend. Es geht um nicht weniger als die abendländische Philosophie und Religion über den Haufen zu werfen - auch an der Machtfrage! (Wir haben uns vom THEMA keinen Millimeter weg bewegt!)
Lieber Fragender! Was ist eigentlich die Frage aller Fragen? Was ist die Ur-Frage? Die Antwort ist eine Frage und lautet: Warum ist überhaupt irgendetwas? (Warum ist nicht vielmehr NICHTS?) Warum bleibt NICHTS nicht NICHTS? Warum wird aus NICHTS dann ETWAS? Das ist die Ur-Frage in verschiedenen Formulierungen.

Da es offensichtlich ist, dass ETWAS IST (das Manifeste), schließt sich an die Ur-Frage die nächste an: Was ist der Ur-Sprung von NICHTS in ETWAS?

Wir machen jetzt den SPRUNG vom NONDUALEN ins DUALE. Was immer es sei, ETWAS ist IMMER dual, ist "im" Dualen. Das ganze Manifeste ist dual und polar. (Dualität ist kein Teufelswerk, sondern der "Beginn" der Schöpfung. Grobe Formulierung: In der Dualität beginnt Gott, seinen Job zu machen. Dualität hat etwas HEILIGES!)


Wir nennen den ersten Schöpfungskreis (die subtilste Form des Dualen) DAS KAUSALE. (Jetzt dürfen wir gerne "Kausal-Training" assoziieren.) Jetzt ist es DA: Ursache und Wirkung (das Kausalitätsprinzip), Raum und Zeit, Liebe und Bewusstheit, Schöpfer und Schöpfung, Sein und Werden, Absolutes und Relatives. (Aus dem EINEN = NICHTS wird ZWEI.)

Die nächste Frage: Was ist die ursprüngliche Trennung, die UR-ZWEI?
Auf diese Frage hat das Abendland in Religion und Philosophie eine Antwort gegeben, die in die Irre führt, in den Wahnsinn im wahrsten Sinne. Der Ursprung sei die Trennung zwischen Subjekt und Objekt, Schöpfer und Schöpfung. Das ist Wahnsinn PUR: Ur-Wahnsinn. Es verführt in den Machbarkeitswahn. Subjekt MACHT Objekt. Schöpfer MACHT Schöpfung. (Wie versprochen: Wir sind MITTEN im Thema!)
Kleiner, hilfreicher Exkurs: Dass in diesem Wahn ganz gewaltig der Wurm ist, hat (nach den Mystikern natürlich) offiziell die Quantenphysik erkannt. Das war der SCHOCK, den das Abendland erwischt hat: In der Quantenwelt gibt es keine Subjekt-Objekt-Trennung. Das philosophisch-wissenschaftliche Kartenhaus des Abendlandes fällt zusammen.

Der Ur-Sprung des Dualen ist aber keine Trennung, sondern eine Polarisierung: Das EINEALLESNICHTS polarisiert (unter-scheidet) sich in ICH und DU, Weibliches und Männliches, Shakti und Shiva, Yin und Yang. Das ist die göttliche ZWEI, die UR-ZWEI. GOTT beginnt sein WERK als ZWEI. ("Das Werk" ist das Leben ist die DREI. Die VIER - das Kreuz - ist der Tod, das Dunkle, der Schatten, die Erstarrung.)

Während das Nonduale die ALLMACHT ist, ist das KAUSALE die AUFGABE der MACHT: Kein Pol hat Macht über den anderen. Weder hat das ICH die Macht über das DU, noch das DU über das ICH. Weder hat YIN die Macht über das YANG, noch das YANG über das YIN. Die Polar-Verhältnisse sind keine Macht-Verhältnisse. Das Kausale ist Liebes-Musik. Es ist Liebes-Tanz. Es ist Liebes-Spiel. Ohne jede Macht. Es ist Liebes-LEBEN, das geschieht, ohne gemacht zu werden.
Der spielerische Tanz ist eine ständige Liebeserklärung: Ich erkenne D-Ich. Ich liebe D-Ich. (Im Hebräischen ist "ich liebe" und "ich erkenne" wohl das gleiche Wort, wie wunderbar!) ICH BIN DU.
Kleiner, hilfreicher Exkurs: Ich habe GOTT SEI DANK nicht einmal Macht über DICH (wer immer das sei, auch Kinder), wie sollte ich da "allmächtig" sein? Allmächtig bin ich nur, indem ich mich in NICHTS auflöse (was immer das heißen mag).

Alles das soll nicht heißen, dass es keine Machtfragen gibt. Um Gottes Willen! Bei der Klärung "alltäglicher Machtfragen" sollten wir uns nur immer an beides erinnern: Nur das NICHTS ist allmächtig. Und der Tanz der ZWEI ist frei von Macht. Das ist der "Rahmen der Machtfrage".

Ein sehr schönes und wichtiges Wort ist "Selbst-Bemächtigung".
Ein sehr wichtiges Thema ist "Ego und Macht": Das Ego ist ohnmächtig und dünkt sich allmächtig.

POLITIK ist die Machtfrage PUR.
Es ist wichtig, auch eine spirituelle Macht-Politik zu entwickeln.
Noch Fragen?

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